Caran d’Ache 849 Original – Füller im Tiefpreissegment

Für das traditionalle Haus vom Genfersee eine Besonderheit: Im Design des klassischen Kugelschreibers Nr. 849 gibt es jetzt einen Füller für 49 Franken.

Die Ankündigung fand ich aufregend, auf den Preis war ich gespannt. Die stilvolle sechsseitige Stiftform mit dem aufgesteckten Clip und dem Aufdruck Swiss Made kennt man vom Kugelschreiber 849 oder dem Fixpencil Druckbleistift.

Jetzt gibt es dieses Design als Füller und damit scheint Caran d’Ache zwei Dinge versuchen zu wollen:

  • Ein Produkt für die Zielgruppe, die auf klassisches Vintage-Design und analoge Schreibkultur abfährt, und die für ihre Notizbücher ein spezielles Schreiberlebnis wünschen mit der Vielseitigkeit verschiedenster Tintenfarben.
  • Dies zu einem Preis im Bereich von Einsteiger-Füllern etwa im Wettbewerb mit Lamy. Die CHF 49 für den 849 liegen weit unter dem bisher günstigsten Caran d’Ache-Füller von rund CHF 200.

Der schwarze Caran d’Ache 849 Füller fühlt sich metallen solide an. Die farbigen Varianten machten im Laden einen etwas weniger griffigen Eindruck. Sicher aus Plastik ist das Griffstück und besonders das Gewinde wirkt beim Auf- und Zuschrauben eher billig.

Sehr wertig kommen die Chromteile am Abschluss der Kappe mit dem Caran d’Ache-Symbol und der Clip daher. Die Kappe rastet mit einem sicheren Klick ein. Bei geschlossener Kappe richten sich die sechs Seiten nicht aus, was manche Ästhetikpuristen vielleicht in den Wahnsinn treibt.

Und dann die Caran d’Ache-Feder in Stahl. Ich habe eine F bekommen, und der Strich ist nicht sonderlich dünn. Das Schreibgefühl ist sehr sanft und leicht, auch kaum ein Kratzen auf dem Papier im Vergleich mit anderen Stahl-F-Federn. Ganz selten kommt ein kurzer Aussetzer beim Start vor. Das schmale Profil der Feder lässt nicht ganz leicht erkennen, ob ich den Stift etwas abgedreht halte. Der Strich ist sehr gleichmässig.

Ich hoffe für Caran d’Ache, dass sich die Schweizer Marke im Einsteigersegment mit diesem Produkt weltweit Freunde machen kann.

Mir macht dieser Füller Spass. Er hat Stil und ist nicht zu schade auch wirklich täglich benutzt zu werden. Jedenfalls ein neuer Mitspieler in meinem «Pen Game».

Kaufen kann man den Füller bei Büromeier im Onlineshop oder im Caran d’Ache-Shop an der Löwenstrasse in Zürich.

Ich bin ein Kind des Brutalismus

Klassenfoto

Im Beitragsbild ist mein Klassenfoto aus dem Jahr 1981 zu sehen. Die Schülerinnen und Schüler sind auf die Betonelemente vor dem Schulhaus gestiegen. Zwei sitzen auf dem vorstehenden Quader, andere stehen, knien oder sitzen auf Mauern unterschiedlicher Höhe.

Die Gesichter sind verpixelt; unverfremdet ist nur der Junge ganz rechts, das bin ich. Wir sind alle Kinder des Brutalismus. Die meisten von uns gingen von der ersten bis zur sechsten Klasse in dieses Schulhaus.

In Erinnerung sind mir auch die schmalen und dunklen Treppengänge. Wenn es in die Pause ging, drängelten sich die Kinder auf den Stufen, drückten einander an die kalte Betonwand. Manchmal entkam man dem Getümmel nur auf allen Vieren auf dem Klinkerboden.

Ich habe mich öfters an diese Zeit zurückerinnert. Als Erwachsener muss ich mich damit auseinandersetzen, was mich von damals noch prägt. Ich habe mich verändert, die Zeiten haben sich geändert – vieles von früher brauche ich heute nicht mehr.

Gleichzeitig zieht es mich zurück zu den Brutalismus-Bauten meiner Kindheit. Ich mag ihre Ästhetik, ihr Charakter, ihr starkes Statement als Objekte, die Irritation auslösen. Ich schätze ihre Wertbeständigkeit.

Manche Dinge bleiben, andere müssen losgelassen werden. Mir scheint, so manches aus den Siebzigerjahren bedrückt unsere Zeit, und das Alte wird idealisiert. Es braucht das Ausbrechen. Man kann auch anders.

Leidenschaft für die Architektur – und darüber bloggen

Mein Interesse an der Architektur der Nachkriegsmoderne drückt sich wieder von neuem in meinem Fotografieren aus.

Seit kurzem unternehme ich gerne wieder Tramfahrten und Spaziergänge in der Stadt und suche Bauten auf.

Wie vor einigen Wochen das Schulhaus Stettbach in Zürich-Schwammendingen, ein Brutalismus-Bau vom Architektenehepaar Esther und Rudolf Guyer aus dem Jahr 1969. (4 Fotos auf Flickr.)

Ich selber besuchte in den 1970er-Jahren die Schule in einem Brutalismus-Bau. Ich bin also ein Kind des Brutalismus. Deshalb steht der Besuch der Schulhäuser in meinem Quartier weit oben auf meiner Bilder-To-do-Liste.

Ich habe in diesem Blog nachgelesen und festgestellt, dass ich schon früher meine Begeisterung für die Architektur in Fotos ausgedrückt habe.

Ein Fotograf, der Architektur und Fotografie verbindet und darüber bloggt, ist Artur Sikora. Seine Arbeit inspiriert mich, sein Wissen über die Geschichte von Bauten beflügelt mich, selber im Thema weiter zu forschen.

Ein Buchmockup – vier Jahre Fotografie

Doppelseite aus dem Buch

«Ganze Tage draussen», nenne ich eine neue Serie von Schwarzweiss-Fotografien aus den Jahren 2012–2016.

Das Gefühl, das ich mit dieser Sammlung ausdrücken möchte, ist das eines 40-jährigen Mannes. Zeit draussen ist ihm wichtig. Reisen bringen ihn an neue Orte. Er klettert über Felsen und streift durch Wälder. Er tankt Sonne und frische Luft so lange es geht.

Dieser Mann bin natürlich auch ich, und ich habe festgestellt, wie gut mir diese Zeit tut.

Der Titel ist eine Anlehnung an Marguerite Duras‘ «Ganze Tage in den Bäumen». Es ist die Erinnerung an die Kindheit, wie der Junge sorglos seine Zeit verbrachte.

In den letzten vier Jahren war meine Zeit draussen vielleicht weniger – oder nicht immer hatte ich meine Kamera dabei. Aus den entstandenen Fotos hat es mir jetzt Freude gemacht, eine neue Serie zusammenzustellen. Manche der Fotos kommen schon in anderen Serien vor, aber davon liess ich mich nicht aufhalten.

Die Bildpaarungen auf den nebeneinander liegenden Seiten habe ich meist nach grafischen Merkmalen ausgewählt. Ort und Zeit sind wild durcheinander.

Was ich sehe auf meinen neusten Fotos

If you see a picture that you think you may have photographed before, take it. Both the subject and the photographer may have changed since the last time you photographed it. Regardless of the reason, you should always make the photograph.

Wie in diesem Zitat von Jeff Curto aus seinem Podcast «Camera Position 187» ging es mir im Oktober. Ich stand vor denselben Felsen, auf denselben Klippen und fragte mich, ob ich nicht genau die gleichen Fotos schon einmal gemacht hatte. Wenn ich meine neusten Fotos anschaue, dann sehe ich einen veränderten Fotografen.

  • Ich liess mich beim Fotografieren von der Neugier leiten und fühlte mich immer frei, sowohl an bekannten wie auch an neuen Orten Bilder zu entdecken.
  • Ich habe einige einzelne Fotos dieses Mal «besser» machen wollen gegenüber der ersten Serie von «Das Meer begrenzt die Insel».
  • Ich habe eine grössere Tiefenschärfe erreicht (wohl auch wegen dem ISO100-Film gegenüber ISO50 in den vorherigen Jahren).
  • Ich habe mehr Vordergrund in die Bilder aufgenommen.
  • Ich habe ohne Stativ gearbeitet (und dafür Fotos wegen Verwackelung verloren)

Hier sind die Bilder aus dem Album #GreatThings von Guernsey und Herm 2016:

#GreatThings

Und ich habe von der Serie «Das Meer begrenzt die Insel» eine neue Bearbeitung 2016 erstellt.

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Die Insel ruft

Später in diesem Herbst gehe ich nochmal auf eine Reise. Das Ziel ist Guernsey.

Ich war zuvor schon zwei Mal auf der Kanalinsel – im August 2011 und im April 2012. Jetzt wird es Oktober 2016 sein.

Ich versuche mir vorzustellen, was gleich ist und was anders ist gegenüber den früheren Besuchen.

  • Ich reise ausserhalb der Hauptsaison, Oktober ist etwa vergleichbar mit April. Anders ist dennoch, dass der Charter von Zürich nach Jersey nicht mehr fliegt. Ich muss erstmals über England reisen.
  • Ich wohne im selben Hotel wie bei meinem zweiten Aufenthalt. Darauf freue ich mich, besonders wegen der Lage gleich an einer Bucht.
  • Das Wetter kann mich wohl nicht gross überraschen. Ich habe alles schon erlebt.
  • Ich kenne meine Lieblingsplätze und kann diese gezielt ansteuern.
  • Gerade weil ich die Insel schon kenne, bieten sich Gelegenheiten, ganz neue Orte zu entdecken.
  • Die Besiedelung hat vielleicht noch mehr zugenommen. Jedoch wird der Titel meiner Fotoserie «Das Meer begrenzt die Insel» nach wie vor wahr sein.

Und in einigen Gedanken bin ich noch unentschlossen.

  • Soll ich meine Fotoserie «Das Meer begrenzt die Insel» weiterführen?
  • Nehme ich also dieselbe Kamera und Schwarzweiss-Film mit?
  • Will ich die Fragestellung der Serie weiter vertiefen und tatsächlich mehr die Besiedelung thematisieren?
  • Will ich gar Menschen zu Wort kommen lassen und Portraits machen?

Dies wird sich alles sicher ganz spontan herausstellen.

Und dann erlebe ich bestimmt #GreatThings, wie der aktuelle Hashtag von VisitGuernsey lautet.

Is there a better view to enjoy whilst having a bite to eat? Where are we? #GreatThings #LunchWithAView #Relax #Wellness

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