Fotokunst mit der Holga: Interview mit Fotograf Michael Wegmüller

An der Foto-Werkschau photo 07 sind mir die Fotos mit einer Holga-Kamera von Michael Wegmüller aufgefallen. Auf meikk.com zeigt der Zürcher Fotograf in seiner Fine Art Galery ausschliesslich Holga-Bilder.

Another World. Verwendet mit Genehmigung von Michael Wegmüller

Mich haben die Fotos angesprochen und weil ich wissen wollte, wie ein Fotograf über seine Holga-Bilder denkt, habe ich Michael Wegmüller für ein Interview angefragt. Die Fragen hat er per E-Mail beantwortet.

Du nutzt eine Holga für deine Fine Art Fotos. Wie bist du auf die Holga gekommen?
Dieser besondere Stil der Holgabilder ist mir schon lange aufgefallen, nur wusste ich lange nicht, wie solche Bilder entstehen. Im Frühling 07 bestellte ich mir viele Fotografie-Bücher aus den USA. Darin stand, mit welcher Kamera die Bilder umgesetzt wurden. Dank dem Internet erfuhr ich mehr und bestellte mir umgehend eine eigene Holga.

Man könnte sagen, mit einer «Spielzeugkamera» sind doch keine ernst zu nehmenden Fotos zu machen. Was entgegnest du darauf?
Es ist der Fotograf der etwas daraus macht. Auf die Holga muss man sich einlassen, sie kennen lernen und ihre Eigenheiten verstehen. Dann kann man auch mit ihr geniale und vor allem andere Bilder einfangen.

Mit der digitalen Fotografie sehen wir oft einen technischen Perfektionismus. Warum setzt du dich mit der Holga diesem entgegen?
Ich habe nichts gegen die digitale Fotografie einzuwenden. Fotografieren mit der Holga fühlt sich einfach freier an. Man braucht keinen Strom, keine schwere Tasche mit Equipment und doch kriegt man tolle Bilder hin.

Worauf ist bei der Auswahl von Motiven zu achten – welche funktionieren mit der Holga besonders gut?
Portraits funktionieren sehr gut. Sie wirken sehr charakterstark. Der Holga-Fotografie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, es funktioniert mit allem, selbst mit schnörkelloser Architektur. Auch ganze Hochzeiten werden mit der Holga fotografiert [siehe zum Beispiel hier, Link hinzugefügt von mir].

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Welchen Markt gibt es für Holga Fine Art?
Der Markt für Holga Fine Art ist noch klein. Meiner Meinung nach muss er auch nicht massentauglich sein.

Wer hängt sich ein Holga-Bild an die Wand?
Es sind erstaunlich viele, die selbst in der Fotografie aktiv tätig sind, die sich von den Holga-Bildern magisch angezogen fühlen. Wohl weil es nichts Vergleichbares gibt.

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Für mich zeigen Michaels Antworten, dass es doch eigentlich um die «tollen Bilder» geht. Und dass der Fotograf dafür einsetzen kann, was er will. Ich selber denke oft, noch viel zu gefangen zu sein von irgend welchen Idealvorstellungen von Fotografien – der Holga-Stil ist dagegen eben ein künstlerischer Ausbruch.

3 Reaktionen

  1. Es stimmt, mit Lomo bringt kommt man oft zu sehr schönen, trashigen Ergebnissen. Wobei ich bei Lomo Farbfotos meistens bevorzuge, am liebsten mit abgelaufenen Filmen.

    Tolles Blog übrigens. bekommt einen Platz in meinem Roll.

    MfG 17grad

  2. ja, 17grad, die Kombination Lomo plus abgelaufener Film macht die Bilder noch «trashiger».

    Und danke für den Platz in deiner Blogroll.

  3. Die Holga „beamt“ Motive in ein anderes Zeitalter.
    Mir geht es um die Reduzierung von Farbe, Kontrast und Schärfe.
    Obwohl ich KB und Mittelformatkameras kenne ist mir momentan die Holga am liebsten. Ich benutzte sie da ich selber Gitarrenmusik mache für Gitarrenspieler portraits, da die Akustukgitarre auch eine Reduzierung darstellt.

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