Lochkamera-Bausatz: Wunderbare Fotos aus der schwarzen Box

Am letzten Samstag habe ich im Arslonga eine zusammensteckbare Lochkamera gekauft. Der Bausatz «Pinhole Camera» von 4M wird unter dem Label «Kidz Labs» verkauft und verspricht ein inspiring optical science kit for both kids and adults (Text auf der Schachtel) zu sein.

Ein Spielzeug auch für mich, dachte ich, und kaufte mir diese schwarze Plastik-Lochkamera. (Bilder von der Kamera gibt es auf Flickr.)

Am Sonntag und am Montag, in der Mittagspause bei Sonne am Zürcher Platzspitz, habe ich meinen ersten Film mit der Pinhole durchgelassen.

Platzspitz (Pinhole)

Der Bausatz ist einfach zusammenzusetzen. Zu erst schneidet man aus der mitgelieferten Alufolie ein Stück aus, das man mit dem auch enthaltenen doppelseitigen Klebeband an die Innenseite der vorderen Abdeckung klebt. Die Beschreibung erklärt dann, wie mit einer Nadel ein Loch in die Folie zu machen ist. Schwierigkeit hier: das Loch sollte in der Mitte und möglichst klein sein. Mir gelang der erste Versuch noch nicht so recht. Zum Glück liegen in der Schachtel genügend Folie und Kleber für mehrere Versuche (oder auch Experimente). Die weiteren Teile sind leicht zusammengesetzt. Für den «Verschluss» muss eine Feder eingesetzt werden. Sie bewegt dann einen Schieber vor das Loch in die Kamera. Mit dem «Auslöser» drückt man den Schieber dann herunter. Im Innern ist alles vorgefertigt, die drei Hauptbauteile und die Spulen müssen nur zusammengefügt werden. Die hintere Abdeckung wir auf beiden Seiten mit Klammern festgemacht. Alles passt und wirkt lichtdicht. Eine sehr komfortable Lochkamera.

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Eingelegt wird ein 35mm-Kleinbildfilm. Das Einfädeln ist ein bisschen mühsam, da die Spule locker sitzt und erst mit dem Schliessen der Rückwand fest sitzt. Damit der Film flach liegt, ist es wichtig, mit dem Rückspulknopf den Film zu spannen. Beim ersten Versuch ist mir dabei der Film von der Spule gerutscht und die Lasche wurde in die Dose hineingezogen. Schliesslich stellte sich dies als Glücksfall heraus. Denn jetzt musste ich einen anderen Film nehmen und bei mir lag noch ein Ilford XP2 herum. Der Schwarzweissfilm mit ISO400 lässt sich im Farbprozess und daher im 1-Stundenservice entwickeln. Ausserdem ist er sehr gutmütig bei Über- und Unterbelichtung. Das ist für Lochkameraexperimente eine sehr gute Voraussetzung.

Ich war also bereit zum Fotografieren mit meiner schicken schwarzen Box. Am Sonntag machte ich ein paar Aufnahmen rund um das Haus.

(Pinhole)

Bei dieser Aufnahme habe ich die Kamera auf ein Stativ gestellt. Nein, die Pinhole hat keine Stativgewinde, aber die Stellfläche an meinem Stativkopf ist genügend gross, um neben der Schraube die Kamera aufzulegen und festzuhalten. Belichtet habe ich rund 3 Sekunden. Ich habe keine grossen Berechnungen angestellt. Ich ging davon aus, dass ich mit ISO400 bei bedecktem Himmel etwa im gleichen Bereich liegen würde wie bei meinen früheren Pinhole-Experimenten mit einer Streichholzschachtel bei Sonne und mit ISO200-Film.

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Am Montag in der Mittagspause schien dann die Sonne. Die Fotos sind ausgezeichnet beleuchtet und der Film in der Kamera hat in diesem Licht viele Details aufzeichnen können. Die Bilder werden erstaunlich scharf, wenn die Kamera auf einem festen Untergrund festgehalten wird.

Platzspitz (Pinhole)

Bei dieser Aufnahme habe ich die Kamera mit dem Rückteil auf eine Mauer gelegt und senkrecht nach oben fotografiert.

Für mich liefert die Kamera wertvolle Bilder – in einer wunderbar unperfekten Bildsprache, die aber genug zeigt, um doch eine Szene beschreiben zu können. Ich würde die Lochkamera gerne auf einer Reise einsetzen, denn sie ist leicht und robust, und sie funktioniert, wie es scheint, verlässlich.

Die Lochgrösse scheint mir gut zu sein. An der Folie ändere ich also vorerst nichts. Wahrscheinlich teste ich die Lochkamera bald einmal auch mit einem Farbfilm. Und vielleicht erstelle ich eine Maske für ein quadratisches Bildformat. Denn für weiteres Modding lässt die Kamera Raum.

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Übrigens: Zu dieser Art von langen Berichten hat mich die Lektüre in moominseans Blog angeregt.

Siehe auch: Seite Lochkamera in meinem Wiki.

12 Antworten auf “Lochkamera-Bausatz: Wunderbare Fotos aus der schwarzen Box

  1. Yeah! Photos are very nice I like it.Thanks for the image you post.So very wonderful photos.

  2. Moin !!
    erstmal vielen dank für den tollen bericht und die wirklich gelungenen fotos. ich hab mir auch so eine kamera zugelegt und dann auch gleich ausprobiert, mit nem farbfilm, den ich dann in sw entwickeln lassen hab. Soweit so gut. Allerdings hat die kamera ein Problem mit dem Filmtransport. Immer wenn ich die Kamera in die Jackentasche tue und sie beim gehen etwas durchgeschüttelt wird, verliert der film innen drin an Spannung, dh.h wenn ich dann ein foto machen will und den film nach vorne drehe, transportiert er nicht. ich muss dann erst das linke rad zurück drehen, bis da wieder spannung drauf ist. aber dann weiß ich nicht mehr ob ich den teil des films schon belichtet hab – kurz und gut: auf dem letzten 36er film waren nur 7 gelugene Bilder – die waren allerdings schön :) trotzdem würde ich den film gerne etwas vollständiger nutzen^^ – hättest Du da vllt. ein paar Tipps, wie man das Transport-Problem lösen könnte? Besten Dank im Voraus und viele Grüße
    Jean

  3. Hallo Jean. Ich kenne das, was du beschreibst. Ich nutze auch oft nicht den ganzen Film aus, weil der Film sich lockert und ich dann wohl zu weit spule. Ich denke ein bisschen kann das vermieden werden, wenn schon von Anfang an der Film gut gespannt wird. Das rechte Rad hat ja eine Sperre, damit der Film nicht zurück dreht. So muss ich also nicht fürchten, dass schon belichteter Film ein zweites mal belichtet wird. Das ist mir tatsächlich noch nie passiert. Eine Umdrehung mit dem rechten Knopf reicht zum Transportieren für das nächste Bild nach meiner Erfahrung aus. Vielleicht hilft dir das schon. Viel Vergnügen und danke für deinen Besuch auf meinem Blog.

  4. Moin Stefan,
    danke für deine schnelle antwort. ich habe gestern einen film geopfert um mal zu sehen, wie der innerhalb der kamera transportiert wird. dabei hab ich das problem bisschen näher erkennen können. Und zwar liegts wohl daran, dass, wenn die kamera geschüttelt wird (z.b. in der jackentasche), der rechte knopf (der der immer knackt beim drehen) sich etweas nach oben bewegt und dadurch die spannung aufgehoben wird und sich der film löst. danach ist quasi leerlauf, bis sich die rolle wieder aufgewickelt hat (rechts). dann weiß man aber nich mehr genau, wie weit man ist. meine lösung des problems: beim transport der kamera ein starkes gummiband über den rechten knopf spannen. so kann er nich nach oben gehn. ich werde berichten obs geklappt hat :) – vom ersten film sind 7 fotos was geworden, wenn auch etwas unscharf und überbelichtet. mit dem neuen film werde ich die belichtungszeit auf unter 1 sek. halten (kodak farbilm, sw entwickelt, sw-film entwicklung is so teuer^^). ich werde berichten :) – beste grüße und vielen dank nochmal, cheers Jean

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