Mein Film-Workflow

Gestern habe ich wieder einmal einen Schwarzweissfilm vom Entwickeln abgeholt (meine Bilder zum Lochkamera-Tag). Dabei habe ich mich daran erinnert, dass ich hier doch die Arbeitsschritte vom Fotofilm zum Bild im Web beschreiben wollte.

Hier also die Stationen in meinem Film-Workflow:

  1. Filmkauf. Schon beim Kauf fängt das Film-Erlebnis an. Es kommt vor, dass ich in einem Fotogeschäft einfach nehme, was gerade da ist. Oder ich kaufe im «Eschenmoser» (heute Fust) ein, weil dort die Auswahl noch recht gross ist. Am liebsten habe ich für Schwarzweiss die Filme Ilford FP4 (ISO 125) oder HP5 (ISO 400). Als besonders geeignet für die Lochkamera hat sich der Ilford XP2 herausgestellt, weil der Film sehr gutmütig mit der Belichtung ist und im Farbprozess eines 1-Stunden-Labors entwickelt werden kann. Für Farbaufnahmen nehme ich gerne Fujifilm-Material (auch praktisch via Online-Shop zu beziehen). Bei Farbfilmen habe ich erst kürzlich angefangen, Positiv-Filme (Dia) zu nehmen. Grund: mein Scanner ist nicht so gut mit Farbnegativfilm (siehe weiter unten).
  2. Film entwickeln. Die belichteten Filme gebe ich ins Labor. Ich lasse sie nur entwickeln und in Streifen schneiden (am besten fürs Scannen nachher: 6er-Streufen für 35mm-Film und 2er-Streifen für 120er-Film im Format 6×6). Die meisten Filme bringe ich zum «Eschenmoser» (Schwarzweiss und Farbe). Dieser lässt sie bei Procine in Wädenswil entwickeln. Nach 3 oder 4 Tagen kann ich die Filme abholen. Wenn ich es schneller haben will, gehe ich in ein 1-Stunden-Labor (Schwarzweiss mit Ilford XP2 und Farbnegativfilme). Meist ist das dann bei Foto Ganz im ShopVille.
    Schwarzweissfilme selber in der Dose zu entwickeln, das wäre wieder einmal toll. Momentan mach ich es aber nicht. Vielleicht gehe ich dann doch einmal ins Labor in unserer Genossenschaft, wer weiss.
  3. Scannen. Zuhause kommt jetzt mein Scanner «Epson Perfection 4490 Photo» zum Zug. Dieses Modell ist bei Weitem nicht das Tollste, aber es scannt 35mm und 120er-Film mit der integrierten Durchlichteinheit im Deckel. Ich scanne mit den Filmhaltern von Epson und mit der Software von Epson. Hier wäre mit besserem Zubehör oder anderer Programme sicher viel herauszuholen. Schwarzweissfilm scanne ich in RGB. Gute Farben erhalte ich beim Scannen von Diafilm. Mit Farbnegativfilm hat die Software Mühe. Ein Trick wäre, Negative positiv zu scannen und die Umkehrung auf dem Computer zu machen. In jedem Fall sind gute Resultate nicht leicht zu erreichen. Auflösung und Endgrösse wähle ich grosszügig. Ich mach einen Vorschau-Scann, wähle die Bilder aus und stelle für jedes Helligkeit und Kontrast ein. Ich scanne relativ flau, so dass ich sowohl in den dunklen wie in den hellen Stellen viel Zeichnung habe. Gescannt wird dann im Mehrfachmodus in ein Verzeichnis pro Filmrolle.
    Besondere Herausforderung sind Staub und Flecken auf dem Film beim Scannen. Deshalb arbeite ich mit Fotohandschuhen und Blasbalg.
  4. Digital bearbeiten. Jetzt sind die Fotos digital und lassen sich im Bildprogramm bearbeiten. Zuschneiden und Verkleinern auf 1600 Pixel Breite sind die ersten Schritte. Dann kommt die Tonwertkorrektur und bei Schwarzweiss das Anwenden eines Schwarzweissfilters für neutrales Grau, immer noch in RGB. Mit dem Stempelwerkzeug entferne ich Staub. Ein bisschen Unscharfmaskieren und speichern (in höchster JPEG-Qualität).
  5. Ins Web stellen. In der Grösse von 1600 Pixel stelle ich die meisten meiner Bilder auf Flickr. Für manche Seiten verkleinere ich sie weiter. Im Bildprogramm gebe ich den Fotos Schlagwörter, manchmal bearbeite ich auch weitere EXIF-Angaben wie Datum und Uhrzeit, Kamera und Copyright.
  6. Prints machen. Ich habe erst wenige Versuche mit Abzügen von meinen gescannten Bildern gemacht. Von den 1600-Pixel-Versionen habe ich schon einmal gute Prints in der Grösse von 20×20 cm (ab 6×6-Mittelformatfilm) machen lassen.
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So, das ganze dauert natürlich eine Weile. Viel aufwändiger als der digitale Prozess scheint mir dieser Workflow aber kaum.

Die Qualität reicht mir für meine Zwecke aus. Sollte ich einmal ein Bild in besserer Qualität brauchen, habe ich ja immer den Originalfilm, aus dem sich bessere Scans oder auch direkt analoge Vergrösserungen herstellen liessen.

Wenn jemand zu diesen Angaben Ergänzungen machen will oder Fragen hat, dann freue ich mich über Kommentare oder E-Mails.

8 Antworten auf “Mein Film-Workflow

  1. besten dank für deine ausführungen! ich suche ja noch nach einem fotoladen, der mit alten schnelladekassetten (meine pinkfarbene beirette) umzugehen weiss. zunächst erstmal einen film da rein bekommen. hab das probiert, bin aber nach 1/3 der filmrolle gescheitert :(

  2. Ja, so ähnlich sieht mein hybrider Workflow auch aus. Dank Dias und der Tatsache das ich die Filme ungeschnitten vom Labor zurück will ein klein wenig aufwendiger.
    Wie lange dauert der Workflow unter normalen Bedingungen (bei mir sind’s oft >= 2 Wochen).

    Viele Grüße
    Uwe Mayer

  3. Hallo Uwe, danke für deinen Besuch und Kommentar. Bei mir geht es manchmal auch unter 2 Wochen. Gerade aus dem Urlaub zurück, habe ich jetzt eine Menge digitale und noch nicht entwickelte analoge Fotos. Die digitalen sind nun natürlich schneller auf dem Netz …

  4. Ich bin ein Anfänger und habe meine KB-Kamera erst seit ca. einer Woche. Ich habe meine ersten drei Filme ans erstbeste Fotolabor, welches mir eine Filmtüte (Als ich noch nicht fotografiert habe, hatte man fast jede Woche so ein Ding auf der Post…) zugeschickt hat, versandt – Fotomaxx. Die bieten einem an die Bilder auf CD gebrannt zu kiegen. Natürlich habe ich diesen Service gleich in Anspruch genommen. Was haltet Ihr davon?

    Viele Grüsse,

    Cyrille Flückiger

  5. @Cyrille Flückiger: Hallo Cyrille, ich hatte mir diese Frage auch gestellt, als diese CDs aufkamen und praktisch zum Standard wurden. Ich lasse mir heute nie mehr eine CD brennen. Ich habe folgende Bedenken: Jede zusätzliche Manipulation der Negative könnte zu Kratzern oder Staub führen. Mit der Scanqualität war ich zudem auch nie zufrieden (zu hart, zu auskorrigiert, oft zu stark geschärft oder Artefakte). Und wenn meine Filme mal nicht standardmässig belichtet sind (zum Beispiel in der Lochkamera), hat der Automat so wie so seine Mühe. Also scanne ich die Negative lieber selber am Heimscanner, da habe ich die Kontrolle über die Resultate (siehe oben 3. Scannen).

  6. Hi Stefan, vielen Dank für die schnelle Antwort. Da ich das eh schon so bestellt habe, werde ich mich – Jetzt mit geminderten Erwartungen – überraschen lassen. Vielleicht haben die ja auch Fortschritte gemacht. Das automatische Bearbeiten wird wohl aber unvermeidbar sein, da die Abzüge ebenfalls „korrigiert“ werden.
    Da bleibt mir wohl die Anschaffung eines geeigneten Scanners und ein weiterer Schritt in meinem eigenen WF nicht erspart… Ich möchte hier in meinem Comment nicht mit Fragen zum geeigneten Scanner abschweifen.

    Vielen Dank für deine hilfreiche Antwort.

  7. Hi Stefan, noch ein kleines Update zum Filmworkflow: Ich bin schliesslich auch bei dem von Dir dargesteltten Workflow gelandet.

    Die CDs haben mich nicht so überzeugt. Die Bilder sind zu stark auf Kontrast nachbearbeitet, was teilweise zu erstaunlichen Resultaten führt (Sonnenuntergang und Abendrot bei eigentlich eher blassen Sonnenaufgängen …)

    Ich hab jetzt einen Nikon-LS-2000-KB-Scanner für meine Filme und bin glücklich mit den Resultaten, die ich damit erziele. Obwohl ich noch mehr über den Umgang mit den Farbwertgrafiken lernen sollte.

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