Lehrabschluss 1992: Reproduktionsfotograf

In meiner Berufslehre als Reproduktionsfotograf habe ich Aufnahmen gemacht mit einer Kamera, die zwei Räume füllte. Im hellen Raum war der Vorlagenhalter mit zwei hellen Xenon-Lampen zur gleichmässigen Ausleuchtung. Ein Spiegelsystem und Linsen leiteten das Licht durch den Kamerabalg in den dunklen Raum.

Ich selber betrat den dunklen Raum meist durch eine Lichtschleuse. Die Rückwand der Kamera bestand aus einer hochklappbaren Mattscheibe und einer Filmplatte. Ich drehte an Einstellrädern und schob so die Rückwand nach hinten und nach vorn, bis ich auf der Mattscheibe die genaue Abbildungsgrösse und Schärfe eingestellt hatte. Auf der Filmplatte mit Ansauglöchern legte ich Film in Einzelblättern bis zu einem Format von 50×60 Zentimeter auf. Dann schloss ich die Rückwand und drückte den Belichtungsknopf.
Die Belichtung kontrollierte ich mittels eines Graustufenkeils, den ich mitfotografierte und entwickelte.

Wir hatten eine Entwicklungsmaschine, in die ich die Filme schob. Im hellen Raum kamen sie getrocknet heraus. Als Lehrling musste ich die Chemikalien für die Maschine anmischen und die Bäder und die Racks mit den Walzen reinigen.
Und ich entwickelte Filme in der Schale, bei ständiger Schwenkbewegung unter rotem Licht und dem Ticken der Junghans-Uhr. Manchmal gab es im dunklen Raum gar kein Licht, dann wenn ich mit panchromatischem Material arbeiten musste.

Auch noch lesen:  We are All Photographers Now!

Die Erfahrungen aus der Dunkelkammer gehören in meinen persönlichen Lebensrucksack. Wenn ich mich heute mit Fotografie beschäftige, kann ich in vielen Dingen an den früheren Zeiten anknüpfen. Ich sehe das als einen grossen Wert an.

Den Beruf des Reproduktionsfotografen gibt es nicht mehr. Kurz nach meinem Lehrabschluss krempelte der Wandel zur digitalen Bildverarbeitung die Druckindustrie um. Heute macht der Polygraf eine verwandte Arbeit.

Die abgebildete Seite ist aus dem Buch «Papier Satz Reproduktion Druck Ausrüsten», Einführung in das Arbeitsgebiet der grafischen Industrie von Karl Militschka. 1980.

Eine Antwort auf “Lehrabschluss 1992: Reproduktionsfotograf”

  1. Ein Gruß an einem Kollegen! Ich habe meinen Gehilfenbrief als Reproduktionsfotograf 1969 bekommen und bin dann später beruflich ganz andere Wege gegangen. Jetzt im Ruhestand habe ich wieder zur Fotografie zurück gefunden. Die Technik hat sich natürlich sehr gewandelt, aber ich kann auf solide Grundkenntnisse zurückgreifen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.