Klassenfoto

Ich bin ein Kind des Brutalismus

Im Beitragsbild ist mein Klassenfoto aus dem Jahr 1981 zu sehen. Die Schülerinnen und Schüler sind auf die Betonelemente vor dem Schulhaus gestiegen. Zwei sitzen auf dem vorstehenden Quader, andere stehen, knien oder sitzen auf Mauern unterschiedlicher Höhe.

Die Gesichter sind verpixelt; unverfremdet ist nur der Junge ganz rechts, das bin ich. Wir sind alle Kinder des Brutalismus. Die meisten von uns gingen von der ersten bis zur sechsten Klasse in dieses Schulhaus.

In Erinnerung sind mir auch die schmalen und dunklen Treppengänge. Wenn es in die Pause ging, drängelten sich die Kinder auf den Stufen, drückten einander an die kalte Betonwand. Manchmal entkam man dem Getümmel nur auf allen Vieren auf dem Klinkerboden.

Ich habe mich öfters an diese Zeit zurückerinnert. Als Erwachsener muss ich mich damit auseinandersetzen, was mich von damals noch prägt. Ich habe mich verändert, die Zeiten haben sich geändert – vieles von früher brauche ich heute nicht mehr.

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Gleichzeitig zieht es mich zurück zu den Brutalismus-Bauten meiner Kindheit. Ich mag ihre Ästhetik, ihr Charakter, ihr starkes Statement als Objekte, die Irritation auslösen. Ich schätze ihre Wertbeständigkeit.

Manche Dinge bleiben, andere müssen losgelassen werden. Mir scheint, so manches aus den Siebzigerjahren bedrückt unsere Zeit, und das Alte wird idealisiert. Es braucht das Ausbrechen. Man kann auch anders.

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